Geschichte   

Kurzer geschichtlicher Abriss

Der Name des Vereins „Alte Feuerwache e.V.“ ist eng mit der Geschichte des Gebäudes in der Axel-Springer-Str. 40/41, früher Lindenstraße 40/41, verknüpft.
Fast 100 Jahre lang, von 1864 bis 1961, war die Hauptfeuerwache hier untergebracht. Während der Zeit des NS-Regimes fand an diesem Ort die Vernichtung von sogenannter entarteter Kunst statt. Diesem Abschnitt der Geschichte wurde bei der Gestaltung des Gebäudes ein besonderer Stellenwert beigemessen. In der Mitte des begrünten Innenhofes befindet sich ein Kunstdenkmal zu diesem Thema in Form eines Springbrunnens.

  

Der Mahnmal-Brunnen
(Künstlergruppe ODIOUS, 1996)


Zerbrochene Bilderrahmen aus Stahl, ausgestanzt wurde das Wort „entartet“, durch spiegelverkehrte Anordnung ist das Wort „ART“ zu erkennen. Ist hier Kunst vernichtet worden?

Nach dem Abschluss der Olympiade 1936 veranlasst Hitler einen „Säuberungskrieg“ auf kulturellem Gebiet. Alle modernen Abteilungen der Museen werden für den Publikumsverkehr geschlossen. In einer Propaganda-Ausstellung werden die besten Werke der neueren Kunst verächtlich gemacht. In engen Ausstellungshallen hängen, mit hässlichen, wüsten Kommentaren versehen, kunterbunt und über- und durcheinander, die Werke von Künstlern wie Nolde, Schmitt, Rotluff, Kirchner, Kokoschka, Corinth, Barlach, Grosz, Chagall und Kansdinsky und andere. Sie wurden der Öffentlichkeit als „undeutsch“ und „entartet“ präsentiert.
 
16.558 Bilder, Plastiken und Grafiken wurden im September 1937 im Viktoria Speicher der Berliner Hafen- und Lagerhaus A.G. in der Köpenicker Straße 24a in Berlin Kreuzberg eingelagert. Es folgten unter Leitung von Goebbels umfangreiche einträgliche Kauf- und Tauschaktionen. Am 20 März 1939 als das Depot wegen Einsturzgefahr der Decken geräumt werden musste, segnete Goebbels die Verbrennung der restlichen“ unverwertbaren“ Werke ab. 1.004 Ölgemälde sowie 3.825 Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken sollten auf dem Hof der Hauptfeuerwache in der Lindenstraße 40/41 verbrannt werden.

Ob dies dann letztendlich stattgefunden hat, lässt sich nicht eindeutig belegen. Es gibt einige Hinweise auf eine Verbrennung im Hofe der Hauptfeuerwache in der Lindenstraße am 20. März 1939. Offiziell ist von einer „Löschübung“ die Rede. Durch die Kriegswirren sind die Unterlagen der Feuerwache vernichtet worden und andere Aufschluss gebende Dokumente verschollen. 
Für die Verbrennung spricht, dass keines der beschlagnahmten und zur Verbrennung freigegebenen Kunstwerke je wieder aufgetaucht ist.

 
 
 

  

1961 zog die Hauptfeuerwache nach Charlottenburg um. Der Eigentümer, das Bezirksamt Kreuzberg, verpachtete das Gebäude.

Als im Rahmen der internationalen Bauausstellung Berlin in der südlichen Friedrichstadt ein neues Wohnviertel in anspruchsvoller Architektur entstand, wurde 1983 die Idee geboren, im Haus eine Kiezbegegnungsstätte zu errichten. Neue Wege einer zeitgemäßen Jugend- und Nachbarschaftsarbeit sollten dazu beitragen für die Bewohner/innen ein lebenswertes Umfeld zu schaffen.
 
Im Januar 1985 schloss der Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP) mit dem Bezirksamt Kreuzberg einen Vertrag als Hauptmieter für das gesamte Gebäude ab um seine Konzeption der zukünftigen Kiezbegegnungsstätte Alte Feuerwache umzusetzen. Dazu waren umfangreiche bauliche Veränderungen notwendig. Das Bauvorhaben startete 1987 und war 1996 abgeschlossen. 

1989 wurde der Verein „Alte Feuerwache e.V.“ gegründet. Direkt vor der Haustür stand die Berliner Mauer. Aus der eher ruhigen Kreuzberger Nische heraus ist die Alte Feuerwache in das Zentrum einer sich rasant verändernden Metropole hinein geboren worden. Der ehemalige Ost-Berliner Stadtbezirk Friedrichshain und der ehemalige West-Berliner Stadtbezirk Kreuzberg wurden zusammengelegt zu Friedrichshain-Kreuzberg. Die Alte Feuerwache liegt geografisch gesehen genau in der Mitte Berlins.

  
  
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